Carlos Castaneda

"Toltec Nagual" 2010 (Acryl auf Fotokarton 100x70cm)


Carlos Castaneda

Carlos Castaneda lebte von 1931 - 1998. Als Student der Anthropologie verfasste er Ende der 60er Jahre eine Dissertation über den Umgang mit psychoaktiven Pflanzen bei den Yaqui Indianern am Beispiel von Don Juan Matus, von dem Castaneda im Rahmen seiner Feldstudien in diese Praktiken eingeführt wurde. Die Dissertation war schon bald als Raubdruck im Umlauf, da sie sensationelle Schilderungen von eindrücklichen psychedelischen Rauschzustände enthielt, die er unter der Führung von Don Juan durchlebte. Ausserdem wurden die Ereignisse und ungewöhnlichen Erfahrungen von Castaneda erzählerisch gut beschrieben, sodass die Persönlichkeiten des eindrücklichen Lehrers Juan Matus und des westlich geschulten, skeptischen Zauberlehrlings dem Leser lebhaft entgegentreten.

Es folgten weitere Bände mit den Erzählungen über die Lehrzeit als Zauberer. Doch schon im dritten Band, Reise nach Ixtlan, wird deutlich, dass es bei dieser Zauberei gar nicht um den Umgang mit Rauschmitteln geht, sondern um die bewusste Manipulierung der Wahrnehmung. Die Rauschmittel waren nur ein Einstieg, um das Bewusstsein und die Wahrnehmung des mit zementierten Vorurteilen behafteten Castanedas zu lockern, und ihm zu zeigen, dass die von ihm erlebten "objektive" Realität vollständig von seiner Wahrnehmung abhängt, welche im Laufe seiner Erziehung und seines Erwachsenwerdens durch Vorbilder und Autoritätspersonen geformt und konditioniert worden war.

So geht es bei der praktischen Anwendung der Philosophie jener Zauberer, die sich auf eine uralte toltekische Tradition berufen, in erster Linie um die Lockerung dieser Konditionierungen und um eine bewusste Veränderung der Wahrnehmung. Es wird daran gearbeitet, so weit wie möglich die eigene Biographie auszulöschen, sein Verhalten durch "pirschen" bewusst zu verändern und die Wahrnehmung durch "träumen" und "sehen" zu manipulieren.

Die ersten 6 Bände von Castanedas Werk fussen auf seinen Notizen, die er sorgfältig anfertigte. Die nächsten 4 Bände basieren auf Erinnerungen, die Castaneda aufstiegen, nachdem er entdeckte, dass ihm ein Grossteil der Zaubererlehre in der "zweiten Aufmerksamkeit", einem anderen Bewusstseinszustand, gegeben wurden, auf den er erst im Laufe von zehn bis fünfzehn Jahren nach der eigentlichen Lehrzeit durch "träumen" Zugriff erhielt.

Carlos Castanedas Werk hatte einen grossen Einfluss auf die alternative amerikanische und europäische Kultur. Es wurde von etablierten Vertretern der Wissenschaft heftig angezweifelt und als reine Fiktion eingestuft, da es die rationale materialistische Philosophie des Westens aufs massivste relativierte. Sogar die Existenz Castanedas wurde in Abrede gestellt. Doch gab er von Zeit zu Zeit wenige Interviews, die bezeugten, dass er sehr wohl existierte. Hingegen muss bei der Wahrheitsfindung in Bezug auf Castanedas Bücher berücksichtigt werden, dass einer der wichtigen Techniken dieser Zauberei, wie oben schon erwähnt, das Pirschen ist. Eine Technik des Pirschens ist aber die Verstellung und Täuschung, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Ob alles sich so zugetragen hat, wie in den Büchern geschildert, sei daher dahin gestellt. Insbesondere seine 4 letzten Bände, welche auf seinen Erinnerungen aus der zweiten Aufmerksamkeit ruhen, dürften teilweise phantastischen Ursprungs sein. Der Effekt seines Werks war aber massiv und kulturbildend.

In seinen Büchern schildert er einen Umgang mit den Träumen, nämlich dem bewussten Träumen, der vielen Leuten einen Anstoss gab, in dieser Richtung aktiv zu werden und nicht bei der Traumdeuterei nach Freud und Jung stecken zu bleiben. Daraus entstand die Forschung und die Erkenntnis des luziden Träumens Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, welche sogar von den heutigen Wissenschaften anerkannt wird.

Vor allem in den Bänden Reise nach Ixtlan und Die Kunst des Träumens, aber auch verstreut in den anderen Werken, schildert Castaneda die Traumtechniken, die ihm Don Juan beibrachte. Leider ist diese Schilderung unvollständig geblieben, denn von mehreren "Pforten des Träumens" wurden von Castaneda nur die ersten vier beschrieben. So bleibt die Kunst des Träumens der toltekischen Zauberer, die schlussendlich dazu führen soll, dass der Traumkörper vollständig und über lange Zeit materialisiert werden kann, weiterhin im Verborgenen. Die ersten vier Pforten sind die folgenden:

  1. Bewusst einschlafen und im Traum abwechslungsweise die Traumumgebung und die eigenen Hände anschauen. Das Ziel ist, bewusst im Traum zu agieren und die an sich flüchtige Natur der Träume zu stabilisieren.
  2. Von einem Traum in einem anderen Traum erwachen. Mit Hilfe der Fixierung und der Projektion durch einen Traumgegenstand in einen anderen Traum wechseln.
  3. Begegnung im Traum mit dem eigenen schlafenden Körper. Erkundung ob der Traum der physischen Realität entspricht. Die Energiequalität von physischen Gegenständen sehen.
  4. Die bewusste Projektion an verschiedene Orte und in verschiedene Zeiten in dieser und alternativen Realitäten.
Eine ganz ähnliche, aber weiter gehende Liste dieser Stufen des Träumens findet sich bei Elias.

Für den am Träumen interessierten Leser ist die vollständige Lektüre aller Bände der Reihe nach zu empfehlen, insbesondere aber die Reise nach Ixtlan und Die Kunst des Träumens.

Verfasst auf der Basis von Feldnotizen:

Die Lehren des Don Juan
Eine andere Wirklichkeit
Reise nach Ixtlan
Der Ring der Kraft
Der zweite Ring der Kraft
Die Kunst des Pirschens

Verfasst auf der Basis von Erinnerungen:

Das Feuer von Innen
Die Kraft der Stille
Die Kunst des Träumens
Das Wirken der Unendlichkeit

Aphorismen:

Das Rad der Zeit



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