Traumgalerie

Bald nachdem ich im Jahre 1982 damit begann, ein Traumjournal zu führen, wurde es mir klar, dass Wörter nicht genug sind, um einen besseren Eindruck zu vermitteln, was ich im Traum erlebt hatte. Ich zeichnete und malte direkt ins Traumtagebuch, doch das Resultat war nicht sehr befriedigend, da ich weder talentiert noch geübt war. Da Träume jedoch bald zu meinem Hobby wurden, war ich bereit mehr Zeit dafür zu investieren und besuchte Zeichen- und Malkurse.

Die unten gezeigten Bilder sind dem Journal V entnommen, welches den Zeitraum Juni 86 bis Oktober 87 abdeckt, indem meine Darstellungskünste sich etwas verbessert hatten. In jener Zeit benutzte ich Farbstifte und Aquarellfarben. Ich hatte keine künstlerischen Ambitionen, doch die Bilder sollten eine dokumentarische Funktion erfüllen. In jener Zeit war ich kein guter Traumerinnerer und das Zeichnen und Malen von Träumen hatte immer den willkommenen Nebeneffekt, dass ich nachher für einige Tage meine Träume besser erinnern konnte.


Turm

1. Traumserie, ca. 1958 - 64: Riese und Turm

Das erste Bild stammt aus einer Traumserie aus meiner Kindheit, die ich in Variationen über mehrere Jahre träumte und die mir bis ins Erwachsenenalter in Erinnerung blieb:
a) Sobald ich mich dem Schilf am Seerand näherte, bekam ich Angst, einen Riesen zu wecken, der im Schilf schlief. Er wachte dann häufig auch auf und erhob sich, wobei er mit Wasser ums sich spritzte. Ich rannte davon und erwachte.
b) Sobald ich mich dem Seebecken näherte, wurde ich von einem starken Wasserstrahl getroffen, der von einem Turm herkam, der halbschräg gegenüber am Ufer stand. Mit Angst rannte ich davon. Der Turm hatte eine hohe, silberne Kuppel in Form eines halben Eis.
c) Ich ging auf Erkundung in die Nähe des Turms. Der Weg war schlecht und ich musste durchs hohe Gras und durchs Schilf. Ich fürchtete mich vor dem Wasserstrahl und prompt ergossen sich riesige Mengen über mich. Das Wasser kam aus grossen Schleusen, die unter dem Dachrand rund um den Turm angebracht waren. Ich musste mich zurückziehen.
d) Wieder bin ich einmal auf Expedition um den Turm herum. Aber diesmal sah ich einen Mann, der oben aus dem Fenster hinausschaute. Er hatte einen Hut an, der dieselbe phallische Form hatte, wie der Turm. Wieder öffnete er die Schleusen und liess Sturzfluten über mich herunterfallen.
e) Der Mann mit dem Hut kam zu uns auf Besuch. Er schenkte mir "Doktorspielzeugs". Ich bemerkte darin vor allem ein Plastikskalpell.


Fluss

2. Traum, 27.August 1986: Szene am Fluss

Zusammen mit anderen Leuten ging ich an einen Fluss, um zu schwimmen. Wir mussten recht weit über einen Weg und eine Strasse gehen, die in einen seltsamen Plattenweg mit grossen Spalten dazwischen mündete. So musste man schauen, wohin man trat. Von jenem Weg aus konnte man in den Fluss springen. Der war sehr schön, das Wasser floss kristallklar zwischen den Felsen. Es sprudelte und bildete schöne Muster durch das gebrochene Licht. Das Wasser war Lichtdurchflutet. Dort, wo wir badeten, war die Strömung nicht so stark, da der Fluss ein Knie bildete. Alles schimmerte und glitzerte im Licht.


Spiel

3. Traum, 28.Februar 1987: Das Spiel

Ich befand mich auf einem grossen Passagierschiff. Vor dem Essen wurde noch ein Kartenspiel gemacht. Beim Spiel wurden die Karten von einem Kartenkünstler gemischt, dann erhielt jeder etwa 9 Karten, die man sortieren musste, dann musste man bieten. Das Spiel hatte mehr als vier Farben, die mit Buchstaben gekennzeichnet waren. Die Buchstaben repräsentierten eine Bewusstseinsgruppe. Innerhalb der Farben hatte es die übliche Zahlenreihe und die Bilder. Man musste einen Weis zusammenbringen. Ich hatte ein Dreiblatt: Herz I (= Ingenieur), Bube, Dame und König. Es wurde kaum geboten, offenbar gab es nichts zu bieten. Ich war unsicher, ob mein Blatt was Wert war. Ich bot erst, als eine Frau auch bot. Ich musste dann mein Spiel ausbreiten. Es stellte sich heraus, dass ich noch mehr zu weisen gehabt hätte, was ich aber übersehen hatte, da ich das Blatt nicht recht geordnet hatte. Bei Herz I hatte ich mindestens ein 4 oder 5 Blatt. Ausserdem zeigte es sich aber, dass das Spiel nicht vollständig war. Nach der Auslegeordnung waren noch drei Plätze frei, nach der Zahl jedoch fehlte mir nur eine Karte. Der Spielchef rief: "Le bateau n'est plus navigable parce que les jeux ne sont plus complètes!"


Wolfsmann

4. Traum, 27.Juni 1987: Der Wolfsmann

Ich war an einem Vortrag von IT. Sie sah viel jünger aus, als in der wachen Realität. Sie empfahl uns ein Buch von R.A. Wilson das die Evolutionsstufen darstellte. Sie wies auf ein Bild, auf dem der Mensch am Anfang noch in Siegerpose erscheint, später jedoch immer weniger. Dabei fiel mir eine Figur auf, die Kraft ausstrahlte und einen Wolfskopf hatte. Sie stand auf der nächst höheren Stufe, als der Mensch. Ich hatte das Gefühl, dass ich in dieser Nacht dieses Bild schon einmal gesehen hatte.



© Christoph Gassmann (siehe Hauptseite "Traumring.info")