Traumgalerie

Träume können einem gelegentlich einen Impuls geben ein Selbstportrait anzufertigen, was zu ungewöhnlichen Resultaten führen kann. Insbesondere wenn ich mich im Traum auf eine seltsame und bemerkenswerte Art sah, hatte ich das Bedürfnis es zu zeichnen. Jedes Mal war ich irritiert und mein Selbstverständnis war in Frage gestellt. Diese Portraits zeigen mir, dass Träume nicht nur das Bekannte wiederholen, sondern das Unbekannte komponieren. Indem sie das tun, erweitern und verändern sie das Bewusstsein und die Erfahrung. Das Resultat kann Verwunderung, Erstaunen, aber auch ein Grauen sein ;-)
Diese kleine Serie weist auch darauf hin, dass die Identität des Träumers, so wie sie aus dem Wachleben bekannt ist, im Traum flexibler und nicht so eng definiert ist.


Doppelgänger

1. Traum, 9. Februar 1983: Der leuchtende Doppelgänger

Ich war in meinem Zimmer und konnte nicht schlafen. Auf dem Dachboden schlichen Tiere herum. Ich stand auf und ging hinaus. Als ich in mein Zimmer zurückkam war mein Bett weg. Ich war verstört. Da erblickte ich den Eingang zu einem zweiten Zimmer. Dieses war spiegelbildlich im rechten Winkel angeordnet.
Ich ging durch den Durchgang und begegnete mir selber, meinem Doppelgänger. Ich war total verblüfft und wusste gar nicht, was ich mit ihm (mir) anfangen sollte. Ich hatte etwas Angst vor einer Persönlichkeitsspaltung und gab meinem Doppelgänger die Hand zum Zeichen der Freundschaft und des Bundes. Die Hände fühlten sich fest und warmblütig an. Der Doppelgänger verhielt sich symmetrisch.
Wir sassen uns gegenüber auf Matten auf dem Boden. Ich schaute ihn (mich) an. Mein Doppelgänger sah teilweise etwas anders aus: er hatte einen kräftigeren Kiefer, mehr Haare und keine Stirnglatze. Seine Mundpartie war stark moduliert. Er sah kraftvoll und gut aus, war ganz durchsichtig und begann innerlich von unten her in einem bläulich fluoreszierenden Licht zu leuchten. Der Traum oder das Gesicht, den ich schlief gar nicht recht und hatte mich eben im Bett gedreht, war sehr real und in leuchtenden Farben.


5 Augen

2. Traum, 29.Oktober 1983: Das Insekt und die Augen

Ich musste zu jemandem, der mit einem riesigen Insekt zusammenwohnte. Ich traf ihn in einem Schlafzimmer. Das Insekt erwachte. Ich verhielt mich ruhig und schloss die Augen. Das Insekt flog auf mich zu und machte etwas an meinem Gesicht. Es tat aber nicht weh. Als ich danach in den Spiegel schaute, hatte ich vier kleine Augen, anstatt zwei grössere. Ich glich nun etwas einem Insekt. Mit den vier Augen sah ich in der Mitte der Augen etwas erhöht ein fünftes magisches Auge. Es war dunkelblau-schwarz, schillerte in allen Farben und strahlte eine starke Energie aus. Es war eindrücklich und schön. Nachher schlief ich mit dem Insekt, das einen Frauenkörper hatte.


Fledermaus

3. Traum, 26. März 1985: Überall Tiere

Ich war bei T. auf Besuch gewesen und ging nach Hause. Auf dem Universitätsgelände ging ich in die ETH und setzte mich an ein offenes Fenster, wo ich einen Traum aufschreiben wollte. Ich schaute in die dunkle Nacht hinaus auf die nächtliche Stadt. Es war sehr schwarz draussen. Ich hatte Träume gehabt, in denen ich gemalt und gezeichnet hatte und zwar sehr gut. Dies wollte ich mir notieren.
Als ich so dasass bemerkte ich in meinem Mund ein Kätzchen. Ein Kolibri kam und wollte mir eine lästige Fliege vom Gesicht wegfressen. Ich schloss die Augen und er umschwirrte mich zutraulich. Ich öffnete die Augen wieder, aber statt des Kolibris sass nun eine Fledermaus auf meinen Knien und klammerte sich da fest. Da bemerkte ich, dass auch eine Fledermaus in meinem Mund war. Sie liess ihre Flügel aus meinem Mund hängen. Mich ekelte, da bemerkte ich, dass es eigentlich Flederkatzen (?) waren.


Vollbart

4. Traum, 24. September 1986: Totale Operation

An einer Hochzeit war gleichzeitig auch eine Demonstration mit einem Schamanen. Ich schaute ihm fasziniert zu und verlor so meine Hochzeitsgesellschaft, die weiter gegangen war. Ich kam deswegen in einen Sandsturm, indem ich herumflog. Es war fast dunkel vom wirbelnden Sand. Ich konnte mich an einen sicheren Ort in einem Zelt flüchten. Als der Sandsturm, der recht lange dauerte, sich gelegt hatte, entdeckte ich, dass ich mitten auf dem Bett von jemandem gezeltet hatte.
Ich war nun in einem Zwischenreich, das mir gezeigt wurde. Es befand sich in einem riesigen Häuserkomplex auf einer Zwischenetage, die gar nicht zugänglich war. Es war eine Art Königreich, das von einer Heilerdynastie geführt wurde. Sie liessen mich nicht mehr gehen und wollten mich operieren. Mir graute es, aber ich konnte nichts machen. Vor der Operation sah ich sie, sie hatten alle einen seltsam breiten Körperbau und sahen etwas verkrüppelt aus. Sie waren, wie mir gesagt wurde, erfolgreich operiert worden. Sie lachten mich an und erklärten mir, der Herrscher brauche ein neues Opfer, denn an ihnen könne man nichts mehr verderben.
Schliesslich wurde ich auf den Operationsstuhl gelegt. Es wurde ein Arterienkatheder angesetzt. Man wollte mich an der Lunge und an den Hüftknochen operieren, da diese "abgeschabt" seien. Es wurden Vorbereitungen getroffen und ich wurde eingeschläfert. Trotzdem konnte ich von ausserhalb miterleben, dass mir noch der Kopf abgeschnitten und auf die Seite gelegt wurde. An meinem ganzen Körper wurde herumoperiert, sozusagen zu meinem Vorteil, wie mir versichert worden war. Aber mein freier Wille spielte offenbar keine Rolle. Ich hatte mich gegen das Vorhaben gewandt, aber sie hatten nur gelachten. Als ich erwachte, war ich total verändert. Ich hatte ein anderes Gesicht, Augen und Stirn waren wohl noch die selben, aber die Mundpartie war breiter und etwas schwammig, zudem hatte ich einen recht grossen Vollbart. Mein Körper war nun gedrungen und breit. Ich konnte mich damit nicht recht bewegen. Aber ich lebte offensichtlich noch.


Nase

5. Traum, 26.Januar 2004: Abgeschnittene Nase

Ich hatte jemanden gesehen, der sich die Nase abgeschnitten hatte und schnitt sie mir ebenfalls ab. Später bereute ich das, als es mir dämmerte, dass sie nicht mehr nachwuchs. Ich sah seltsam aus. Beim andern schaute ich mir genau an, wie es aussah. Man sah ins Naseninnere, zwischen den Augen hatte es nun ein Loch. Beim ein- und ausatmen öffnete und verschloss sich die Öffnung rhythmisch.



© Christoph Gassmann (siehe Hauptseite "Traumring.info")