C. G. Jung - Inspiration

"Inspiration" 2007 (Acryl auf Fotokarton 100x70cm)

C.G. Jung und das rote Buch

Carl Gustav Jung setzte sich zwischen 1913 und 1928 intensiv mit seinem Inneren auseinander. Nachdem er mit Freud gebrochen, die psychiatrische Klinik Burghölzli, sein Arbeitgeber, verlassen und schliesslich auch seinen Lehrauftrag an der Uni aufgegeben hatte, war er auf sich zurückgeworfen und wurde mit inneren Fantasien, Visionen und Träumen konfrontiert, die ihn gelegentlich fast überflutet hätten. Da er eine temperamentvolle Natur hatte, kam es bei einigen Gelegenheiten sogar zu Poltergeistphänomenen. Das aufgebrochene Unbewusste brachte Bilder und Erfahrungen hervor, denen er als Psychiater, der viel mit Schizophrenen gearbeitet hatte, nicht gänzlich unvorbereitet gegenüber trat. Er notierte seine Erfahrungen in mehrere schwarze Bücher und übertrug diese schliesslich mit Sorgfalt in sein rotes Buch, einen schweren und grossen Folianten, wie er im Mittelalter für handgeschriebene Texte und Illustrationen verwendet wurde. Dazu malte er auch viele Illustrationen. Dieses Notieren, Übertragen und sorgfältig Ausarbeiten half ihm, seine recht verstörenden Erfahrungen zu verarbeiten und zu ordnen. Doch er verstand sie nicht wirklich. Dies tat er erst später, als er mit alten alchemischen Texten in Kontakt kam, die er eingehend studierte. So bildeten diese Erlebnisse schliesslich das Fundament für alle seinen folgenden veröffentlichten Schriften und seine analytische Psychologie, wie er sie in Abgrenzung zu Freuds Psychoanalyse tat. Das rote Buch hingegen blieb bis Oktober 2009 unveröffentlich, da es eher privater Natur war.

In der Presse wird erwähnt, dass Jungs nun veröffentlichte rote Buch vermutlich von einigen als Bibel benutzt werde. Da es durchaus psychische Kraft hat und faszinieren kann, besteht diese Möglichkeit. Doch Jung verfasste es, um seinen persönlichen Mythos zu finden, nachdem er realisiert hatte, dass er keine Verbindung zum christliche Mythos mehr hatte. Er strebte nach dem Individuellen, nicht nach dem Kollektiven. So taugt es für den eher psychologisch und weniger mythologisch eingestellen Menschen nicht als Bibel, wohl aber als Anregung und Inspiration dafür, wie man sich mit Ausdauer und Sorgfalt gewinnbringend mit seinem Inneren auseinandersetzen kann. Dabei muss man nicht nach jungscher, noch nach jungianischer Manier vorgehen. Es ist auch keinesfalls notwendig, dass man von den innerseelischen Inhalten überflutet werden muss, das kann durchaus in Stille und unspektakulär vor sich gehen. Man muss nicht seinen eigenen Mythos finden, kann aber sein eigenes innerseelisches Leben entdecken, und es gilt, einen individuellen Zugang zu ihm zu finden. Es braucht keinen teuren und edlen Folianten dazu, einfaches Schreib- und allenfalls Malwerkzeug genügen fürs Erste. (Siehe Traumgalerie )

Liber novus - das rote Buch

(Anklicken für Inhalt)



Buchrezension

Das Rote Buch bei Amazon.de

C. G. Jung Institut Zürich

Internationales Seminar für
Analytische Psychologie Zürich



© Christoph Gassmann (siehe Hauptseite "Traumring.info")