Paul Tholey
Paul Tholey und der Klartraum
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Bio-
graphisches

Paul Tholey (1937 - 1998) war Gestaltpsychologe und war Professor am Institut für Psychologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und später Professor für Sportpsychologie an der Technischen Universität Braunschweig. Seit 1959 untersuchte er das Phänomen des Klartraumes. Er stiess darauf, als er nachprüfen wollte, ob Träume, wie öfters behauptet wird, nicht in Farbe sind. Er war aber von Natur aus ein schlechter Traumerinnerer und erkannte auch, dass die Erinnerung besonders im Falle der Träume keine verlässlichen Daten liefert. Da er als Gestaltpsychologe dem kritischen Realismus verpflichtet war, der die objektive Realität und die erlebte Realität klar unterscheidet, kam er auf die Idee, dass es im Prinzip möglich wäre, ein kritisches Bewusstsein in seine Träume zu tragen, indem er sich tagsüber öfters ernsthaft fragte, ob er wache oder träume. Er hoffte, dass die häufige Wiederholung dieser kritischen Infragestellung so zu seiner zweiten Natur würde, dass sich diese auch im nächtliche Bewusstsein manifestiert. Nach intensiver und längerer Übungszeit gelang es ihm dann tatsächlich, ein kritisches Bewusstsein im Traum zu erlangen, was eine ganz neue Qualität von Träumen ermöglichte. Er war nun in der Lage, mit vollem und kritischem Wachbewusstsein seine Träume zu untersuchen ob sie nun wirklich in Farbe waren oder nicht. In der Folge konnte er einen Arbeitskreis von Studenten um sich bilden, die mit der Zeit alle zu geübten Klarträumern wurden. Mit ihnen untersuchte er das faszinierende Phänomen systematisch und wissenschaftlich gemäss der Gestaltpsychologie. Einige Resultate dieser Untersuchungen sind im Internet zugänglich und wurden auf dieser Seite als kleine Linksammlung zusammengetragen. Leider verstarb dieser Pionier in der Klartraumforschung viel zu früh.

Klartraum

Der Klartraum oder luzide Traum, wie er auch genannt wird, ist ein Phänomen, das in unserem Kulturkreis, insbesondere in der Wissenschaft, zunehmend Beachtung findet, seit Pioniere wie Stephen LaBerge (USA), Keith Hearne und Alan Worsley (GB) unabhängig voneinander mit dem EEG dessen objektive Existenz nachweisen konnten. Der Klartraum unterscheidet sich vom normalen Traum in der Hauptsache wie folgt:

  • Klarheit über den Bewusstseinszustand. Der Träumer weiss, dass er träumt und sein physischer Körper im Bett schläft, obwohl er mit einem anderen Körper eine Traumwelt erlebt, die unter Umständen genau so real wirkt, wie die physische Welt.
  • Klarheit über die eigene Entscheidungsfreiheit, Der Träumer kann aktiv in das Geschehen eingreifen und ist nicht passiv den Ereignissen ausgeliefert.
  • Klarheit des Bewusstseins. Das Bewusstsein ist so klar wie das Tagesbewusstsein, gelegentlich noch klarer.

Tholey hat noch andere Kritierien definiert, die in seinen Schriften zu finden sind. Meiner Meinung nach sind der Klartraum und verwandte Phänomene, wie die ausserkörperlichen Erfahrung, die man beide als Formen der Bewusstseinsprojektion betrachten kann, Schlüsselkulturerfahrungen und Schlüsselkulturtechniken, und zwar aus folgenden Gründen: Der Klartraum ist prinzipiell jedem Menschen zugänglich, da das Rohmaterial, der normale Traum, jedem zur Verfügung steht. Die sinnvolle Nutzung der eigenen Träume halte ich von der kulturellen Bedeutsamkeit her etwa gleich wichtig wie die sinnvolle Nutzung der eigenen Hände. Ausserdem spielte der Klartraum in früheren, weniger materialistischen Zeiten eine wesentliche, wenn nicht zentrale Rolle: Der Schamanismus beruht auf solchen Erfahrungen. Daraus entwickelten sich Mythologien, die wiederum zu kulturprägenden Religionen führten. Auch viele Märchen und Sagen, die zum Kulturgut eines jeden Volkes gehören, dürften einen solchen Ursprung haben. Der Klartraum gehörte und gehört heute noch zur Erfahrung des Mystikers und des eingeweihten Priesters oder Adepten. Er ist im tantrischen Buddhismus, im Dzogchen, im Hinduismus (Yoga Nidra) und im Sufismus, aber auch in der Theosophie, der Anthroposophie und verwandten Richtungen bekannt und wird dort genutzt.

Schriften

Die unten angeführten Links führen zu deutschen und englischen Schriften von Paul Tholey, die im Internet und in Zeitschriften zu finden sind und von mir ins pdf Format übertragen wurden. Sie geben schon einen recht tiefen Einblick in das Phänomen des Klartraumes und in die Denkweise von Tholey. Ausserdem sind darin praktische Hinweise zu finden, wie der Interessierte selber zu Klarträumen kommt. Eine vollständige Liste von Tholey's Publikationen finden sie hier. Zu Beginn sind eher einführende Artikel zu finden, gefolgt von spezielleren Themen und Untersuchungen.

Alle Dokumente sind im *.pdf Format, sollte Ihr Browser dieses nicht lesen können, so finden sie hier den gratis Adobe Acrobat Reader, der sich auf dieses Format versteht.

Bücher

  • Paul Tholey und Kaleb Utecht: Schöpferisch träumen
    (Klotz, Eschborn, ISBN: 3-88074-275-8)
  • Paul Tholey: Gestaltpsychologie
    (in Asanger und Wenninger: Handwörterbuch Psychologie;
    Buch: Beltz Psychologie Verlags Union, ISBN: 3-621-27435-9
    CD-Rom: Directmedia Publishing, ISBN: 3-89853-123-6) <

Klartraum-
Coaching:

Neu: Für diejenigen, die das Klarträumen trainieren wollen, jedoch Mühe haben, dies alleine konsequent über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, biete ich ein Klartraum-Coaching an, indem ich den Übenden mit Rat und mit der Gelegenheit unterstütze, über das geleistete Training zu reflektieren. Weitere Angaben sind auf meiner Praxisseite zu finden.

Weitere
Links:

Ein weiterer deutschsprachiger Pionier in diesem Bereich ist Werner Zurfluh. Er hat eine detailierte und umfangreiche Seite zu diesem Thema gestaltet: "Über den Zaun"

Ausserdem sind auf meiner Traumseite viele weitere Informationen zu den Themen Traum, Träume erinnern, Trauminkubation, gemeinsam Träumen etc. zu finden.



© Christoph Gassmann (siehe Hauptseite "Traumring.info")